Gemeinwohlökonomie: Inspiration für Genossenschaften

Gemeinwohlökonomie: Inspiration für Genossenschaften

Durch zahlreiche Herausforderungen angetrieben, müssen Banken immer intensiver über Ihre Zukunft nachdenken. Nichts bleibt wie es ist und nichts wird wieder wie es war. Die Zukunft wird anders sein, doch der Mensch hat sich kaum verändert. Auf der Suche nach neuen Modellen und Ideen könnten Genossenschaftsbanken deshalb über die Gemeinwohlökonomie stolpern, denn eigentlich sind Kooperation und Gerechtigkeit eine menschliche Grundmotivation, die uns biologisch in die Wiege gelegt ist. Unsere private Welt ist deshalb von menschlichen Werten wie Vertrauen, Ehrlichkeit, Emphatie und Respekt geprägt. Werte, auf denen auch die genossenschaftliche Idee und Bewegung beruht. Ein – in letzter Zeit populärer werdender Treiber – einer auch für Genossenschaftsbanken interessanten neuen Nachhaltigkeitsbewegung ist die Gemeinwohlökonomie, deren Erfinder Christian Felber aktuell die „Bank für Gemeinwohl“ in Österreich gründet. Im Mittelpunkt der Gemeinwohlökonomie steht ein neues Bilanzierungsverfahren für Unternehmen. Die sogenannte Gemeinwohlbilanz, die auch schon Einzug in die Bankenwelt gefunden hat. Die Sparda Bank München nutzt diese bereits seit 2011.

Unternehmen mit Gemeinwohlbilanz definieren Erfolg anders

Wirtschaft muss nicht auf Konkurrenz basieren. Unternehmen können kooperieren, und sich dem Gemeinwohl verschreiben.  Erfolgreiche Unternehmen  in der Gemeinwohlökonomie sind sind sozial verantwortlich, ökologisch, demokratisch und solidarisch. Die Gemeinwohlbilanz orientiert sich an diesen Kriterien.

Die Gemeinwohlbilanz steht  über der Finanzbilanz, die zur Neben- oder Mittelbilanz wird. Die Finanzbilanz zeigt, wie einzelne Unternehmen ihre Kosten, Investitionen und Vorsorgen decken. Gewinne können erwirtschaftet werden, sind aber nicht das zentrale Ziel und werden, falls sie erwirtschaftet werden, als Mittel für klar definierte Zwecke verwendet. Die Gemeinwohlbilanz misst 5 zentrale Werte, die – so Christian Felber auf Seite 39 in seinem Buch – schon heute in den Verfassungen der meisten Nationen niedergeschrieben sind, aber eben nicht konsequent gelebt und gefördert werden: Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Demokratie. In der Gemeinwohlbilanz wird  gemessen wie Untenehmen diese 5 Werte gegenüber ihren Anspruchsgruppen leben.  Anspruchsgruppen sind alle Personengruppen, die durch die Tätigkeit eines Unternehmens berührt werden. Also:Zulieferer, Geldgeber, Mitarbeiter, Kunden, Mitunternehmen, Standortgemeinden, zukünftige Generationen und die Umwelt.Es entsteht eine Gemeinwohlmatrix. Die fünf Grundwerte sind auf der waagerechten X Achse, die Anspruchsgruppen auf der senkrechten Y Achse angeordnet. In der Schnittstelle werden aktuell 18 Gemeinwohlindikatoren wie z.B. die Sinnhaftigkeit der Produkte und Dienstleistungen, die Humanität der Arbeitsbedingungen, die ökologisch Nachhaltigkeit der Produktion usw. gemessen. Alle Indikatoren sind eindeutig messbar, sie werden in jeweils 4 Stufen eingeteilt: erste Schritte, fortgeschritten, erfahren, vorbildlich.

Inzwischen erstellen zahlreiche  Unternehmen diese Gemeinwohlbilanz, weil sie erkennen, das sich wirtschaftlichen Aktivitäten nicht gegen Menschen richten dürfen. Gerade das Internet zwingt Unternehmen durch Dezentralität; Vernetzung und Kunden Empowerment  zu Transparenz, Offenheit, Authentizität und Nachhaltigkeitn der Gemeinwohlökonomie wird nur das Streben nach Gemeinwohl belohnt. Sie verabschiedet sich von der Wachstums Religion und so zitiert Christian Felber den US Ökonomen Kenneth Eward Boulding mit den Worten:

„Wer in einer begrenzten Welt an unendlichen exponentielles Wachstum glaubt, ist entweder ein Idiot oder ein Ökonom“

Weiterführende Links:

Wie funktioniert die Gemeinwohlbilanz

Bank für Gemeinwohl in Gründung

Gemeinwohlbilanz der Sparda Bank München

Facebook Seite zur Gemeinwohlökonomie

Wenn Schüler Facebook nach Gemeinwohl Prinzipien denken

Wer ist Kenneth Eward Boulding

 

 

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